News

Monatsrückblick Juni’19 – Das Neueste aus der Digitalwirtschaft

01.07.2019 von Sebastian Schulze

Neues Interface in der Google Suche – Bessere Semantik und frischer Look

Dem ein oder anderen Google-Nutzer dürfte es bereits aufgefallen sein. Der Suchmaschinenriese aus Kalifornien verpasste seinem Vorzeigeprodukt jüngst ein brandneues Interface. Die Top Navigation Bar auf den SERPs zeigt nun passende Icons neben den jeweiligen Schriftzügen der Verticals (Speizialsuchen, wie Bilder oder Maps). Dies soll die Semantik verbessern und der Ergebnisseite einen frischeren Look verpassen. Laut Barry Schwartz vom Search Engine Land testete Google die neue Oberfläche mehrere Monate, bevor diese dann global auf allen Browsern und Geräten ausgerollt wurde.1 Die Änderungen betreffen jedoch nur die Desktopversion, auf mobilen Endgeräten bleibt die Darstellung nach wie vor gleich.

Abb. 1: Neben den Verticals wird seit diesem Monat ein passendes Icon in der Navigation Bar in den SERPs angezeigt.


Keine Suchanfrage mehr nötig – Google beantwortet Suchanfragen jetzt schon im Auto Suggest

Seit Einführung der Answer Boxes in den Suchergebnissen ist bekannt, dass Google Nutzeranfragen vermehrt direkt auf der Suchergebnisseite beantworten möchte, so dass der Nutzer keine weitere Webseite besuchen muss, um eine Antwort auf seine Frage zu erhalten. Ebenso bekannt ist die Auto Suggest Funktion, die die Suchanfragen der Nutzer vervollständigt, in dem es die meistgenutzten Anfragen anzeigt, während der User noch am tippen ist. Dass beide Funktionalitäten jedoch nun verbunden werden, ist neu. Während der Nutzer seine Suchanfrage in das Suchfeld einträgt, schlägt ihm Google nicht nur die Vollendung der Frage vor, sondern zeigt ihm direkt im Suchfeld die Antwort an, so dass der Nutzer nicht nur keine andere Website mehr besuchen muss, sondern nicht einmal mehr die Suche überhaupt ausführen muss. Die Funktion ist derzeit lediglich für wenige und konkret formulierte Fragen verfügbar wie bspw. „Hauptstadt von Tibet“. Tippt ein Nutzer diese Frage ein, wird „Chengguan“ bereits in der Auto Suggest Liste neben den Fragevervollständigungen angezeigt.

Abb. 2: Direkte Fragen werden schon in der Auto Suggest Liste beantwortet, so dass der Nutzer die Suche nicht mehr ausführen muss.


Hälfte aller Suchen bei Google enden ohne Klick

Da Google zunehmend mehr darauf dringt, Suchanfragen so früh wie möglich zu beantworten, bleibt die Frage, wie viel Traffic eigentlich für andere Webseiten übrig bleibt. Hierzu veröffentlichte SEO Insider Rand Fishkin von SparkToro diesen Monat Zahlen, die den ein oder anderen schockieren dürften. Mittels Daten von Jumpshot ermittelte Fishkin, dass von den im ersten Quartal in den USA angefallenen 150 Milliarden Suchanfragen nahezu die Hälfte (48,96%) mit Non click endet, also ohne dass eine weitere Seite besucht wird. Weitere 6,01% des Traffics landen auf anderen Webseiten des Alphabet-Konzerns und lediglich 45,03% der Clicks bleiben für die restlichen Seiten im Web (paid 3,58%, Organic 45,45%). Das bedeutet, dass der Löwenanteil des Suchvolumens durch Google selbst abgefischt wird oder die Suche mit dem Anzeigen der SERPs endet. 

Obwohl für Webseitenbetreiber nur die kleinere Hälfte der Google-Reichweite bleibt, sollten sowohl Werbetreibende als auch SEOs die Flinte nicht ins Korn werfen, das Gesamtvolumen an Suchen steigt nach wie vor konstant an, weswegen der Traffic aus organischer und bezahlter Suche trotzdem ebenfalls weiter wächst.2


G20 Finanzminister wollen Google, Amazon & Co. besteuern, aber...

Die Finanzminister der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer trafen sich diesen Monat im japanischen Fukuoka, um über eine von Deutschland und Frankreich forcierte „Digitalsteuer“ zu diskutieren, die es ermöglichen soll, Internetgiganten wie GAFA (Google, Apple, Facebook und Amazon) zukünftig stärker zur Kasse zu bitten. Bisher führen diese Unternehmen ihre Steuern hauptsächlich in den Ländern ab, in denen sie Standorte unterhalten. Dies sind meist Länder, in denen recht geringe Steuersätze gelten, wie bspw. Irland. Dies hat zur Folge, dass zwar in vielen europäischen Ländern Milliardengewinne anfallen, jedoch kaum Steuern darauf gezahlt werden müssen. Die Finanzminister planen nun die Einführung einer globalen Mindeststeuer, die sich stärker am Ort der Leistungserbringung als am Firmensitz orientiert.

Zur konkreten Umsetzung der angestrebten Steuer gibt es jedoch verschiedene Vorschläge. Die Europäer befürworten die Lösung, wonach die Steuern hauptsächlich dort anfallen sollen, wo die meisten Nutzerdaten zur Wertschöpfung beitragen. Die USA hingegen favorisieren eine Orientierung am Marketingaufwand und der Gewinnhöhe. Die Inder wiederum befürworten das Modell der digitalen Betriebsstätte, wonach die Steuern auf die Länder anteilig verteilt werden, in denen die meisten Mitarbeiter beschäftigt werden. Jede der genannten Lösungen würde den jeweiligen Staaten entgegenkommen. Über die generelle Einführung einer globalen Steuer herrscht somit Einigkeit, nicht jedoch bei der Verteilung des Kuchens. 

Vergessen werden darf aber nicht, dass auch deutsche Unternehmen, z.B. in der Autoindustrie, im Ausland hohe Gewinne einfahren und diese teils hierzulande versteuern. Diese Vorteile würden im Zuge der globalen Mindeststeuer ebenfalls infrage gestellt werden können.


Firefox sperrt standardmäßig Tracking durch Third Party Cookies

Mozilla gab diesen Monat mehrere Pläne in Sachen erweiterter Datenschutz bekannt. Für die Werbeindustrie die schmerzlichste dürfte das standardmäßige Aussperren von Third Party Cookies, beim mit 26,95% Marktanteil zweit meistgenutzten Browser Deutschlands, sein.3 Durch die als Enhanced Tracking Protection bezeichnete Technologie werden Third Party Cookies für neue Nutzer per Voreinstellung blockiert, dies musste bislang durch den Nutzer selbst aktiviert werden. In den nächsten Monaten soll das Feature zudem auch auf Bestandsnutzer automatisch ausgerollt werden, ohne, dass diese es separat aktivieren müssen. Technisch baut die Technologie auf den Blocking-Listen des langjährigen Mozilla-Partners Disconnect auf, die Drittanbieter-Cookies von über 1.000 Firmen beinhalten.


Facebook stellt eigene Krypto-Währung „Libra“ vor – Notenbanken nicht grundsätzlich dagegen

Mark Zuckerberg sorgte wohl für die Nachricht des Monats an den Finanzmärkten, indem er die durch Facebook und Partner geplante Krypto-Währung „Libra“ ankündigte, die 2020 auf den Markt kommen soll. Gemeinsam mit einem Konsortium aus Global Playern, wie Mastercard, Visa, Spotify oder Uber, soll die Währung vor allem den Zahlungsverkehr im Internet vereinfachen, bspw. den Geldtransfer via WhatsApp oder Messenger und somit auch Menschen ohne Bankkonto den Zugang zur Finanzwelt erleichtern. 

Dabei hat man beim Social Network aus Menlo Park aus den Fehlern des Bitcoin gelernt, dessen Wert im Grunde durch keinerlei Sicherheit gedeckt ist  und somit immensen Schwankungen unterliegt. Die neue Währung soll durch reale Währungen wie US-Dollar oder Euro sowie kurzläufige Staatsanleihen gedeckt sein. 

Eben hier sehen aber sowohl Verbraucherschützer als auch die Notenbanken ein Problem. Sollten auch nur 100 Millionen, der 2,7 Mrd. Facebook-Nutzer den Dienst in Anspruch nehmen, könnte das Konsortium so viel Finanzkraft entwickeln, dass es mit Großbanken vergleichbar wäre und somit die Zusammensetzung des Finanzsystems verändert. Wollte man das „To-big-to-fail-System“ nach der Finanzkrise überwinden, könnte so ein Tech-Konzern in eben diese Kategorie aufsteigen und sogar zum Gläubiger ganzer Staaten werden und das weitgehend unreguliert, warnt Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling.4

Hierin sehen allen voran der französische Finanzminister Le Maire und Bundesbankchef Weidmann Handlungsbedarf. Sie streben daher eine international einheitliche Regulierung an, auch um zu verhindern, dass Terrorismus und Geldwäsche durch die im Internet übliche Anonymität ihre Finanzströme durch die Krypto-Währung abwickeln können.


Google Algorithmus Updates im Juni, pro Domain nur noch zwei Einträge auf Top-Platzierungen

In der ersten Juniwoche veröffentlichte Google sein zweites Core Update in diesem Jahr. Das letzte wurde im März ausgerollt. Bei sogenannten broad core algorithm updates handelt es sich um Updates, bei denen die Berechnungsgrundlage der Suchergebnisse verändert wird, entweder durch eine Neubewertung bestimmter Rankingfaktoren oder aber durch eine Veränderung der Gewichtung selbiger beziehungsweise durch eine Änderung der Zusammensetzung des Algorithmus. Da Core Updates nicht auf einen bestimmten Faktor von Webseiten abzielen, sondern auf deren Gesamtheit ist es häufig kaum möglich, Gemeinsamkeiten bei den Gewinner- und Verlierer-Domains festzustellen und so geeignete Gegenmaßnahmen abzuleiten. 

Demgegenüber stehen die Filter-Updates. Hierbei wird streng genommen nicht der Algorithmus verändert, sondern die Suchergebnisse selbst, indem ein Filter über selbige gelegt wird, der gewisse Webseiten-Aspekte anders bewertet bzw. gewichtet und somit die Reihenfolge der Ergebnisse beeinflusst. Beide Update-Varianten wurden im Juni ausgerollt. Für SEOs kam erschwerend hinzu, dass dies parallel geschah und somit Veränderungen der Traffic-Ströme schwierig zu bewerten sind. 

Zunächst wurde ein broad core algorithm update am 3. Juni veröffentlicht. Außergewöhnlich war weniger das Update selbst als vielmehr Googles veränderte Kommunikationspolitik. Bislang hielt sich der Konzern aus Mountain View stets recht bedeckt, wenn es um Updates am Suchalgorithmus ging. Häufig wurden diese überhaupt nicht kommentiert und nur selten im Nachgang bestätigt. Dieses Mal jedoch wurde das Update am Kernalgorithmus erstmals in der Unternehmensgeschichte sogar im Vorfeld angekündigt (einen Tag vor dem Rollout am 2. Juni).5 Danny Sullivan von Google SearchLiaison erklärte die veränderte Informationsstrategie des Konzerns damit, dass man proaktiver informieren wolle, so dass es weniger offene Fragen in der SEO-Community gäbe.6 Google lieferte praktischerweise auch gleich den Namen des Updates, welches als „June 2019 Core Update“ bezeichnet wird und somit der selben Namenskonvention folgt wie das März-Update zuvor. Auf Nachfrage von Barry Schwartz bestätigte Sullivan, dass das Update am 8. Juni komplett ausgerollt war.7 Der Zeitraum von gerade einmal fünf Tagen ist für den Rollout eines globalen Core Updates als vergleichsweise kurz anzusehen. 

Stellt sich nun die Frage, was das Update an Änderungen mit sich brachte. Bekanntermaßen ist dies bei broad core algorithm updates nicht so einfach zu beantworten. Searchmetrics stellte in ihren Untersuchungen einen starken Anstieg an Video-Karussells in den SERPs fest. Demnach wird Video-Integration nun bei 53,6% der Keywords ausgespielt. Dies hat zur Folge, dass andere Inhalte entsprechend nach hinten rutschen. Vom Update besonders betroffen waren dieses Mal News-Seiten, so verlor zum Beispiel das britische Nachrichtenportal Daily Mail laut einem Post ihres SEO-Chefs, Jesus Mendez, im Google Webmaster-Forum ca. 50% des organischen Website-Traffics für beides, AMP- und non-AMP-Seiten. Auch die Seite des amerikanischen TV-Networks CBS verlor fast 30% an organischer Sichtbarkeit.

Neben dem Core Update wurde vom 4. bis zum 6. Juni auch das sogenannte Domain Diversity Update ausgerollt. Hierbei handelt es sich um ein Filter-Update, welches die Pluralität der SERPs stärken soll. Demnach werden für die Mehrheit der Suchanfragen nur noch zwei Einträge pro Domain für vordere SERP-Platzierungen zugelassen. Subdomains werden behandelt wie Root-Domains.8

Eine Übersicht der wichtigsten Google Updates haben wir in unserem Blog für Sie aufbereitet.


Vgl. Schwartz 2019, bit.ly/search-icons.

Vgl. Fishkin 2019, bit.ly/non-click.

Vgl. StatCounter 2019, bit.ly/2J4hrfh.

Vgl. Meck 2019, bit.ly/2LfW39D.

Vgl. Sullivan 2019, bit.ly/2Xvzch2.

Vgl. Google Search Liaison 2019, bit.ly/2KAY8gX.

Vgl. Sullivan 2019, bit.ly/2ZUkeif.

Vgl. Google Search Liaison 2019, bit.ly/2Fx2p0y.